Das Ende unserer 2 Wochen in Goa naht. Gestern waren wir bei der Familie von William eingeladen. Beulah, seine Frau, hatte Geburtstag. Heute Abend haben wir wieder gefeiert, diesmal im Fokolar der Frauen, ein paar Hundert Meter von unserem Quartier. Diesmal den Geburtstag von Maria Fatima und unseren Abschied. Zusammen waren wir fast 20. Wir hatten nicht erwartet, eine ganze Reihe kleiner Geschenke zu bekommen, und das hat uns fast beschämt: einen selbstgebackenen Kuchen für die Reise, Cashew-Nüsse, Portwein (in kleinen Plastikbeuteln), als Andenken Postkarten von Goa und eine Kachel mit der Ansicht eines Stadtteils von Panjim, Fontainhas. Und natürlich wollten alle von uns wissen: Wie fandet ihr Indien? Wie hat euch Goa gefallen? Schwerer zu beantworten war die letzte Frage: Wann kommt ihr wieder? Ja, wenn wir das wüssten... Wir würden ja gern...
Indisches Tagebuch
Fokolar auf Zeit - 6 Wochen in Südindien
Dienstag, 16.09.: Feier
Das Ende unserer 2 Wochen in Goa naht. Gestern waren wir bei der Familie von William eingeladen. Beulah, seine Frau, hatte Geburtstag. Heute Abend haben wir wieder gefeiert, diesmal im Fokolar der Frauen, ein paar Hundert Meter von unserem Quartier. Diesmal den Geburtstag von Maria Fatima und unseren Abschied. Zusammen waren wir fast 20. Wir hatten nicht erwartet, eine ganze Reihe kleiner Geschenke zu bekommen, und das hat uns fast beschämt: einen selbstgebackenen Kuchen für die Reise, Cashew-Nüsse, Portwein (in kleinen Plastikbeuteln), als Andenken Postkarten von Goa und eine Kachel mit der Ansicht eines Stadtteils von Panjim, Fontainhas. Und natürlich wollten alle von uns wissen: Wie fandet ihr Indien? Wie hat euch Goa gefallen? Schwerer zu beantworten war die letzte Frage: Wann kommt ihr wieder? Ja, wenn wir das wüssten... Wir würden ja gern...
Montag, 15.09.: Relax
Schon gestern hat sich die Sonne gelegentlich gezeigt: Dann wird es gleich ordentlich schwül und auch ohne viel Bewegung rinnt der Schweiß. Heute führt uns John aus Panjim, ein älterer Herr, der die Fokolar-Bewegung schon länger kennt, ein Stückchen Richtung Norden: zum Fort Aguada vom Anfang des 17. Jahrhunderts, wo die portugiesischen Schiffe Wasser aufgetankt und ihre Gefangenen eingekerkert haben. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Arabische See. In der Ferne sieht man grosse Schiffe, die den nahe gelgenen großen Hafen von Vasco da Gama anlaufen. In der Nähe hat John mit seiner Familie in einem Resort (ummauerte und bewachte Anlage mit Urlaubs-Häusern) am Strand eine Ferienwohnung. In der Saison Ende September bis Ende April wird es an Touristen vermietet, den Rest des Jahres steht es ihm selbst zur Verfügung. Wir gehen 2 Stunden an der Küste entlang, an der vor 5 Jahren ein Öl-Tanker gestrandet ist und langsam verrottet. Direkt am Strand stehen die Palmenhütten armer Fischer-Familien. Alle raten mir davon ab, im Meer schwimmen zu gehen. Jetzt in der Monsunzeit ist der Wellengang hoch und die Unterströmungen sind unberechenbar: Sie können Schwimmer ins Meer hinaus ziehen. Zeitungsaufrufe warnen an bestimmten Tagen sogar die Fischer davor, mit ihren Booten hinauszufahren. Jedenfalls hält der Sonnenschein ein Weilchen an, erst kurz vor dem Resort werden wir von einem Regenschauer wieder klatschnass. Als die Sonne wieder erscheint, kann ich zumindest im kleinen resort-internen Pool ein paar Runden drehen. Auf der Hin- und Rückfahrt kommen wir an den "Backwaters" vorbei, die von Flüssen und dem Tiedenhub des Meeres gebildet werden und mit Palmen und Mangroven bestanden sind.
Samstag, 13.09.: "Mariapoli" Goa - Spiele
Vorträge, Erfahrungsberichte und Gruppengespräche gehören zum Programm der Mariapoli. Zum Wochenende hin gesellen sich noch ein paar mehr Teilnehmer dazu, bis wir weit über 70 sind. Heute Nachmittag treten altersmäßig gemischte Gruppen gegeneinander bei einer ganzen Reihe von Spielen an, bei denen es um Geschicklichkeit, vor allem aber um die Gemeinschaft und das Aufeinander-achten geht. Vor jedem Spiel wird ein Würfel geworfen - auf jeder Seite steht ein kleiner Impuls, in welcher Haltung zusammen gespielt werden soll: Fair sein; sich mit dem Anderen mitfreuen; wenn 'was schief geht, nicht aufgeben, sondern mit voller Kraft weiter machen. Wer den Anderen erzählt, wie er das versucht hat mit Leben zu füllen, dessen Gruppe bekommt Sonderpunkte. Abends kommt nochmal spannende Wettkampfatmosphäre zwischen den Gruppen auf bei einem grossen Quiz...
Freitag, 12.09.: "Mariapoli" Goa - Workshops
Offenbar liegt der Termin direkt nach den "Ganesh"-Festtagen der Hindus ungünstig: Nur rund 50 Leute haben sich angemeldet, im letzten Jahr waren fast 150 gekommen. "Mariapoli 2008 Goa - eine Gelegenheit, die gegenseitige Liebe zu leben" steht auf dem Bühnenbild. Es soll in diesen Tagen darum gehen, die "Goldene Regel" in die Tat umzusetzen, die es in ähnlicher Form in allen Religionen gibt: Tu anderen nicht an, was du nicht angetan haben willst. Oder, anders formuliert: Behandle andere, wie du von ihnen behandelt werden möchtest. Eine Gelegenheit, das gleich auszuprobieren, sind die Workshops: Stoff-Blumen herstellen, Tragetaschen aus Papier basteln, und ich biete "Journalismus" an - wir erstellen eine 2-seitige Wandzeitung über den ersten Tag der Mariapoli. Mein Workshop scheint hauptsächlich eine Clique von sechs 15- bis 17-Jährigen anzusprechen, aber auch 3 Erwachsene sind dabei, alle anfangs etwas scheu, aber dann machen sie doch kräftig mit. Die 2 Seiten "Mariapoli-News" werden erst spät in der Nacht fertig, weil der einzige verfügbare Laptop auch anderweitig genutzt wird. Und dann ist auch noch die Druckerpatrone zu Ende, so dass die fertige Zeitung erst am nächsten Vormittag aufgehängt werden kann. Aber es ist geschafft und wir sind fest entschlossen, auf diese Weise auch noch eine 2. Ausgabe zu publizieren. Als der ursprünglich geplante 4. Workshop "Malerei" ausfallen muss, bildet sich als Alternative spontan ein kleiner Chor mit vier Leuten und einem Gitarristen, der am darauffolgenden Tag dank der Nachzügler nach und nach auf fast 20 Mitglieder anwächst.
Dienstag, 09.09.: Foto-Tour durch Panjim
Als der Monsunregen mal eine Pause macht, streife ich auf der Suche nach Foto-Motiven durch Panaji (hindi), Panjim (englisch) oder Pangim (portugiesisch; früher "Nova Goa", nachdem "Velha Goa" (Alt-Goa) von einer Epidemie heimgesucht worden war), die "Hauptstadt" Goas. Sie hat nur rund 65.000 Einwohner, mit Vorstädten 130.000. Zwischen moderneren Bauwerken in der Stadtmitte stehen ältere im portugiesischen Kolonialstil. Die Portugiesen machten Goa 1510 zu einer ihrer indischen Kolonien und haben es erst 1961 wieder verlassen. Einige Häuser sind auffällig bunt gestrichen, wie ich es auch schon in anderen Teilen Goas und Keralas gesehen habe. An vielen Beton-Gebäuden haben der viele Regen und die hohe Luftfeuchtigkeit ihre muffigen Spuren hinterlassen. Eine schöne Fassade zeigt die 1619 errichtete Kirche "Our Lady of Immaculate Conception". Allerdings muss ihr weißer Putz erst recht jedes Jahr neu gestrichen werden.
Sonntag, 07.09.: Das Land der Gewürze
Schon die alten Römer hatten regelmäßige Handelsbeziehungen mit Indien, nicht zuletzt wegen der zahlreichen und kostbaren Gewürze. Bis heute exportiert das Land in alle Welt Pfeffer und viele andere Zutaten, ohne die unsere Küche relativ fad ausfallen würde. Ein Ausflug führt uns rund 30 km ins Landesinnere in die Nähe der kleinen Stadt Ponda. Dort in einer hügeligen Regenwald-Landschaft besuchen wir die "Sahakari Spice Farm". Wir bekommen zur Begrüßung eine Kette aus Ginster- und Hibiskusblüten umgehängt, Cashew-Nüsse und Tee aus Zitronengras gereicht. Dann führt uns "Francis" durch die Farm, zeigt uns, wie die Bethelnüsse wachsen, Koriander, Zimt, Pfeffer, Chili, Safran, Vanille, Curry, Gewürznelken, Muskatnüsse, Kaffee und Kakao, und vieles mehr. Wir bekommen nicht nur die Pflanzen zu sehen, sondern auch ihre heilende Wirkung für Magen und Darm, Haut, Gelenk- und Kopfschmerzen, für ein besseres Gedächtnis oder zur Steigerung der Potenz erklärt. (Mehr Infos unter: www.sahakarifarms.com )
Während wir durch die Farm streifen, hat der Monsun Goa wieder fest im Griff: Gut, dass wir die Regenschirme dabei haben, die wir in Trivandrum geschenkt bekommen hatten! Dann können wir uns zum Mittagessen am Buffett bedienen, das mit zum Programm gehört. Nebenbei beantwortet uns Francis viele Fragen. Uns überrascht zum Beispiel seine Info, dass rund die Hälfte der ausländischen Touristen hier aus Russland kommen.
Während wir durch die Farm streifen, hat der Monsun Goa wieder fest im Griff: Gut, dass wir die Regenschirme dabei haben, die wir in Trivandrum geschenkt bekommen hatten! Dann können wir uns zum Mittagessen am Buffett bedienen, das mit zum Programm gehört. Nebenbei beantwortet uns Francis viele Fragen. Uns überrascht zum Beispiel seine Info, dass rund die Hälfte der ausländischen Touristen hier aus Russland kommen.
Dann ist mal wieder ein bisschen Hinduismus dran: Nicht weit von hier steht der Sri Manguesh Tempel, dem wir einen Besuch abstatten. Hintergrund ist eine der weniger rühmlichen Episoden der Kirchengeschichte: Offenbar haben die Portugiesen nur wenige Jahre nach dem Tod Franz Xavers zugeschlagen und nach 1560 alle Hindu-Tempel entlang der Küste Goas zerstört und durch Kirchen oder Kapellen ersetzt. Einige Tempel wurden in dieser Zeit heimlich in das waldreiche bergige Hinterland verlegt und werden bis heute genutzt.
Samstag, 06.09.: Auf den Spuren Franz Xavers
Franz Xaver oder Franziskus Xaverius wurde 1506 in Navarra geboren, das damals portugiesisch war und 6 Jahre später spanische Provinz wurde. Beim Studium in Paris lernt er Ignatius von Loyola kennen und tritt später in den von diesem gegründeten Jesuitenorden ein. 1542 kommt Franz Xaver als Missionar nach Goa, kümmert sich zunächst um Kranke, predigt entlang der Küste Richtung Süden den Fischern das Evangelium und setzt in den Dörfern erst Katechisten und später auch Priester ein. Von den Einheimischen wird er schon damals als heiligmäßig lebender Priester geschätzt. Sein missionarischer Eifer zieht ihn nach Japan und China. In Japan wie auch schon zuvor in Indien macht er sich schnell mit den jeweiligen Sprachen vertraut und verbreitet über sie die christliche Lehre den Einheimischen viel unmittelbarer. Franz Xaver stirbt auf dem Weg nach China Ende 1552 mit nur 46 Jahren. Die Grabstätte des Heiligen, der als einer der großen Säulen des Christentums in Indien gilt und hier sehr verehrt wird, findet sich heute in Alt-Goa (Velha Goa) in der Kirche "Bom Jesus". Als wir sie besuchten, haben wir dort auch viele Hindus angetroffen. In der näheren Umgebung der Kirche stehen auf relativ kleinem Raum eine Kathedrale, eine Kirche, die architektonisch dem Petersdom in Rom nachempfunden ist, und noch viele weitere Kirchen, Kapellen und Klöster. Dieses Viertel wird daher auch der "Vatikan des Ostens" oder "Vatikan Asiens" genannt. Im Bundesstaat Goa sind fast 30 Prozent Christen.
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